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Infektiologie & Hygiene

Infektionen: Diagnose

Infektion

Definition
Eine Infektion umfasst die Übertragung (Ansteckung, Kontagion), das Haftenbleiben (Adhärenz) und Eindringen (Invasion) von Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen u.a.) in einen Makroorganismus (Pflanze, Tier, Mensch) und Vermehrung in ihm.

 

Infektion bildet die Voraussetzung für die Entstehung einer Infektionskrankheit und wird von den infektiösen (Übertragbarkeit bzw. Kontagiosität, Haftfähigkeit, Eindringungsvermögen bzw. Invasivität, Vermehrungsvermögen bzw. Vitalität) und pathogenen Eigenschaften des Mikroorganismus (Pathogenität, Virulenz) wesentlich bestimmt.

 

Entstehung und Verlauf einer Infektionskrankheit hängen außerdem von der Empfänglichkeit bzw. Unempfänglichkeit (Basisimmunität, Resistenz) und von der Abwehr- und Überwindungskraft (Immunität) des Makroorganismus ab.

Einteilung

Infektionen lassen sich nach vielen Gesichtspunkten einteilen:

Grad der Krankheitserscheinungen
  • latente Infektion ohne Krankheitserscheinungen (stille Feiung)
  • abortive Infektion mit leichten Krankheitserscheinungen
  • manifeste Infektion mit klinisch deutlichen Krankheitserscheinungen

Übertragbarkeit des Erregers
  • direkte Infektion von Mensch zu Mensch, z.B. als Tröpfcheninfektion, Kontaktinfektion
  • indirekte Infektion über Zwischenträger oder Zwischenwirte (Vektoren)
Verlauf der Krankheitserscheinungen
  • foudroyante Infektion (blitzschneller Beginn, schwerster Verlauf, oft tödlich)
  • akute Infektion (plötzlicher Beginn, meist fieberhafter Verlauf über Tage)
  • chronische Infektion (allmählicher Beginn, meist subfebriler Verlauf über Wochen, Monate oder Jahre)
  • rezidivierende Infektion (wiederholt auftretend, meist mit akut verlaufenden fieberhaften Krankheitsschüben)
  • latente Infektion (klinisch stumme Phasen über Monate bis Jahre)
Ätiologische Gesichtspunkte
  • Virusinfektionen
  • bakterielle Infektionen
  • Mykosen
  • Protozoeninfektionen
  • Wurminfektionen

(siehe auch Infektionsnetz Österreich/Infektionen)

Betroffene Körperregionen oder Organe
  • Allgemeininfektion, systemische Infektion
  • Infektionen der oberen und unteren Atemwege
  • Hautinfektion
  • Weichteilinfektion
  • Knocheninfektion
  • Darminfektion usw.
nach Herkunft der Erreger
  • exogene Infektion (durch Erreger aus der Umwelt)
  • endogene Infektion (durch Erreger aus der körpereigenen Flora), opportunistische Infektionen

 

(siehe auch Infektionsnetz Österreich/Erreger/Infektionsdiagnostik)

nach der Zahl der Erkrankten bzw. Ort des Auftretens
  • Einzelfall
  • gehäuftes Auftreten
  • Endemie (ständiges Vorkommen einer Infektion in einem bestimmten Gebiet, z.B. FSME in Mitteleuropa)
  • Epidemie (stark gehäuftes, örtlich und zeitlich begrenztes Auftreten von Infektionskrankheiten, z.B. Choleraepidemie)
  • Pandemie (Ausbreitung einer Infektionskrankheit über Länder und Kontinente, z.B. Influenzapandemie)

u.a.

 

Siehe auch Infektionsnetz mit detaillierten Informationen über Erreger, Infektionen und Antiinfektiva

 

Infektionen und deren Inkubationszeiten
Bakterielle Infektionen
Virusinfektionen
Aktinomykose Wochen bis Monate Adenovirus-Infektionen 7 bis 11 Tage
Angina tonsillaris (Streptokokken) 2 bis 5 Tage AIDS 5 bis mehr als 10 Jahre
Bakterienruhr (Shigellen) 2 bis 5 Tage Arenavirale hämorrhagische Fieber 7 bis 16 Tage
Botulismus 18 bis 36 Stunden Coxsackieinfektionen 2 bis 14 Tage
Brucellose (M. Bang) 5 bis 30 (14) Tage Dengue-Fieber 5 bis 8 Tage
Cholera Stunden bis 5 Tage Ebola-Virus-Erkrankung 2 Tage bis 3 Wochen
Diphtherie 3 bis 5 Tage FSME 7 bis 10 Tage
Coli-Enteritis 4 bis 6 (3 bis 12) Tage Gelbfieber 3 bis 6 Tage
Enteritis (Campylobacter) 2 bis 5 Tage Hepatitis A 10 bis 40 Tage
Fleckfieber 5 bis 21 Tage Hepatitis B 4 bis 12 Wochen
Gonorrhoe 2 bis 7 Tage Hepatitis C 6 bis 12 Wochen
Hämophilus-Meningitis 1 bis 3 Tage Herpes simplex (Primärinfekt) 2 bis 7 Tage
Helicobacter-Gastritis Tage bis Wochen HIV-Infektion 5 Tage bis 3 Monate
Katzenkratzkrankheit (Afipia) 3 bis 10 Tage Influenza (Grippe) Stunden bis einige Tage
Katzenkratzkrankheit (Bartonella) 2 bis 14 (5 bis 60) Tage Masern 11 Tage
Keuchhusten 7 bis 14 Tage Maul- und Klauenseuche 3 bis 6 Tage
Legionellose 2 bis 10 Tage Mononukleose 7 bis 21 Tage (bis 7 Wochen)
Lepra Monate bis Jahre Mumps 12 bis 25 Tage
Leptospirose 7 bis 12 Tage Norwalk-Virus (Gastroenteritis) 12 Stunden bis 4 Tage
Lyme-Borreliose 3 bis 30 Tage Poliomyelitis 5 bis 35 (7 bis 20) Tage
Meningokokken-Meningitis 2 bis 4 Tage, manchmal länger Röteln 14 bis 21 Tage
Milzbrand 1 bis 3 Tage Tollwut 12 bis 60 Tage (bis 2 Jahre)
Mykoplasmen-Pneumonie 6 bis 32 Tage Variola (Pocken) 7 bis 11 Tage
Nicht gonorrhoische Urethritis NGU 10 bis 20 Tage Varizellen 14 bis 21 Tage
Paratyphus 7 bis 14 (max. 21) Tage
Mykosen
Pasteurella-Infektionen weniger als 24 Stunden Aspergillose unsicher, von äußeren Faktoren abhängig
Pest 3 bis 10 Tage Blastomykose (nordamerikanische) 1 bis 4 Wochen
Pneumokokken-Pneumonie 2 bis 5 Tage Blastomykose (südamerikanische) unsicher, in Tierversuchen 8 bis 10 Tage
Psittakose 7 bis 14 Tage Candidosis visceralis 2 Tage und länger
Q-Fieber 10 bis 26 Tage Chromomykose wahrscheinlich Monate
Rattenbissfieber (Sodoku) 1 bis 3 Wochen Histoplasmose 5 bis 10 Tage
Rückfallfieber 5 bis 7 Tage bis 3 Wochen
Salmonellen-Enteritis 1 bis 2 Tage Kryptokokkose 1 vis 4 Wochen
Scharlach 2 bis 5 Tage    
Syphilis 14 bis 28 Tage    
Tetanus einige Tage bis Monate
Protozoen-Infektionen
Trachom 5 bis 7 Tage Amöbenruhr 7 bis 21 Tage
Tuberkulose 4 bis 12 Wochen Kala-Azar 10 bis 14 Tage
Tularämie 3 bis 5 Tage Malaria quartana 23 bis 42 Tage
Typhus abdominalis 7 bis 14 Tage Malaria tertiana 11 bis 16 Tage (bis 10 Monate)
Ulcus molle 1 bis 3 Tage Malaria tropica 8 bis 12 Tage

 

 

Infektionskrankheit
Dauer der Ansteckungsfähigkeit (von Mensch zu Mensch)
Amöbiasis Sowohl während der klinischen Erkrankung als auch durch symptomlose Dauerausscheider
Cholera Maximal 40 bis 50 Tage
Diphtherie In der Regel sind die Krankheitserreger wenige Tage nach der antibiotischen Therapie nicht mehr nachweisbar. Symptomlose Bazillenträger können jedoch über lange Zeit (Monate bis Jahre) hinweg als Infektionsquellen in Frage kommen
Influenza (Virusgrippe) 1 bis 2 Tage vor Ausbruch der Symptome und anschließend ca. 1 Woche
Leptospirosen Mensch-zu-Mensch-Ansteckung unwahrscheinlich. Leptospiren finden sich allerdings im Urin während der akuten Krankheitsphase und ca. 2 bis 3 Monate danach
Infektiöse Mononukleose Während der akuten Phase der Erkrankung sowie über mehrere Monate danach wird das Virus ausgeschieden (Speichel)
Masern Etwa 5 Tage vor Ausbruch des Exanthems bis zum Verschwinden der klinischen Erkrankung
Ornithose Zeitraum der akuten Erkrankung
Paratyphus A, B und C Während der akuten Erkrankung, bei Dauerausscheidern oft jahrelang (Stuhl, evtl. Urin)
Parotitis epidemica (Mumps) Virus im Speichel sieben Tage vor und neun Tage nach Beginn der Parotisschwellung
Pertussis (Keuchhusten) Vom Stadium catarrhale an bis zu 6 Wochen
Poliomyelitis Virusausscheidung bereits 2 bis 3 Tage nach Infektion. Kann über Monate anhalten
Röteln 7 Tage vor bis ca. 5 Tage nach Beginn des Exanthems. Nach kongenitaler Übertragung können die Kinder das Virus über Jahre ausscheiden
Salmonellen-Gastroenteritis Während Durchfallerkrankung und anschließend evtl. bis zu mehreren Wochen. Gelegentlich Dauerausscheidertum über Jahre hinweg
Scharlach Unbehandelt ein bis drei Wochen
Shigellenruhr Während der Durchfälle sowie einige Wochen bis Monate danach
Tuberkulose Offene Tuberkulose stets ansteckend. Jede zur Ruhe gekommene Tbc-Erkrankung kann u.U. wieder exazerbieren
Typhus abdominalis Durch Blut in der ersten Woche, durch Stuhl und Urin evtl. dauerhaft
Varizellen Mit Ausbruch des Exanthems bis zu Abfall der Borken

Siehe auch: Meldepflichtige übertragbare Krankheiten in Österreich

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Letztes Update:26 Mai, 2011 - 08:35